KI-News · 20. August 2026

Privacy Gateway filtert sensible Daten vor ChatGPT

Forscher der Fernuni Hagen stellen ein Privacy Gateway vor, das sensible Daten entfernt, bevor sie ChatGPT erreichen. Was der Ansatz für den Mittelstand taugt.

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IT-Verantwortlicher prüft am Bildschirm einen Datenfluss mit vorgeschaltetem Filter

Forscher der Fernuniversität Hagen haben ein „Privacy Gateway” vorgestellt, das sensible Daten automatisch aus Anfragen entfernt, bevor sie ChatGPT, Perplexity oder Copilot erreichen. Entwickelt wurde das System von Doktorand Pascal Tippe und Masterstudent Michael Maximilian Grötzner, berichtet heise online.

Das Gateway arbeitet als Vermittler zwischen Nutzer und Sprachmodell: Es erkennt personenbezogene Angaben und Geschäftsgeheimnisse in der Eingabe und filtert sie heraus, bevor die Anfrage das Haus verlässt. Grundlage ist nach Angaben der Entwickler ein „Codebook”, das rechtliche Definitionen aus der DSGVO und dem deutschen Geschäftsgeheimnisschutz in maschinenlesbare Anweisungen übersetzt.

Was das für den Mittelstand bedeutet

Das Grundproblem kennt jedes Unternehmen, das KI-Werkzeuge einsetzt: Die Modelle sind nützlich, aber in die Eingabemaske wandern schnell Kundennamen, Vertragsdetails oder Diagnosen — Daten, die dort nicht hingehören. Bisher gibt es dafür drei Antworten: Schulung und klare Nutzungsregeln, Geschäftstarife mit Auftragsverarbeitungsvertrag oder der lokale Betrieb eigener Modelle.

Ein vorgeschalteter Filter ist ein vierter Weg — und ein pragmatischer: Die Mitarbeiter arbeiten weiter mit den gewohnten Werkzeugen, aber das Risiko sinkt, dass sensible Angaben beim Anbieter landen. Gerade für Betriebe, die weder jede Eingabe kontrollieren noch auf Cloud-Modelle verzichten wollen, ist das ein interessanter Mittelweg.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ist das Projekt ein Forschungsstand, kein fertiges Produkt — zu Kosten und Verfügbarkeit macht der Bericht keine Angaben. Zweitens benennen die Entwickler die Grenze selbst: Bei Anfragen mit sehr vielen personenbezogenen Daten, etwa umfangreichen medizinischen Unterlagen, filtert das System auch Inhalte weg, die für eine brauchbare Antwort nötig wären. Datenschutz und Nutzbarkeit lassen sich nicht beliebig gleichzeitig maximieren.

Einordnung

Der Ansatz bestätigt eine Entwicklung, die wir in Projekten laufend sehen: Die Frage ist nicht mehr, ob KI-Werkzeuge genutzt werden, sondern wie der Datenfluss kontrolliert wird. Ein Filter ersetzt dabei weder eine saubere Nutzungsrichtlinie noch die Schulung der Mitarbeiter — er ergänzt sie. Wer heute handeln will, ohne auf ein Forschungsprojekt zu warten: Geschäftstarife mit AV-Vertrag, klare Regeln, und für wirklich sensible Daten Verarbeitung im eigenen Haus. Was bei ChatGPT im Unternehmenseinsatz rechtlich ohnehin gilt, steht im Ratgeber ChatGPT und DSGVO.

Quelle: heise online