Gute Prompts bestehen aus sechs Bausteinen: Rolle, Aufgabe, Kontext, Format, Beispiele und Grenzen — der wirksamste und am häufigsten vergessene davon ist der Kontext. Die meisten schlechten Ergebnisse haben nämlich dieselbe Ursache: Das Modell weiß zu wenig über die Aufgabe. Nicht die Formulierung ist der Hebel, sondern der mitgegebene Kontext — die sechs Bausteine beheben das systematisch.
Die sechs Bausteine
Rolle, Aufgabe und Kontext
1. Rolle. Aus welcher Perspektive soll geantwortet werden?
„Du bist Vertriebsleiter in einem mittelständischen Maschinenbauunternehmen.”
2. Aufgabe. Ein Verb, kein Themengebiet. Nicht „Angebote”, sondern „Formuliere ein Anschreiben zu einem Angebot.”
3. Kontext. Der wirksamste und meistvergessene Baustein.
„Der Kunde hat vor zwei Jahren schon gekauft, damals gab es Lieferverzögerungen. Das Angebot liegt bei 45.000 Euro.”
Format, Beispiele und Grenzen
4. Format. Länge, Struktur, Form: „Maximal 150 Wörter, drei Absätze, kein Betreff.”
5. Beispiele. Wirken stärker als jede Beschreibung. Zwei frühere Anschreiben, die gut ankamen, prägen den Stil zuverlässiger als jede Liste aus Stiladjektiven.
6. Grenzen. Was ausdrücklich nicht passieren soll: „Keine Superlative, keine Entschuldigung für die damalige Verzögerung, kein Rabattangebot.”
Was jeder Baustein bewirkt
| Baustein | Behebt | Wirkung |
|---|---|---|
| Rolle | beliebigen Ton | passende Perspektive |
| Aufgabe | Themengeschwafel | konkretes Ergebnis |
| Kontext | generische Antwort | auf Ihre Lage zugeschnitten |
| Format | falsche Länge/Form | direkt verwendbar |
| Beispiele | Stil daneben | trifft Ihren Ton |
| Grenzen | unerwünschte Inhalte | weniger Nacharbeit |

Ein vollständiges Beispiel
Vom Ein-Zeiler zum brauchbaren Prompt
Der schlechte Prompt lautet: „Schreib mir ein Angebotsanschreiben.” Der gute setzt alle sechs Bausteine zusammen:
Du bist Vertriebsleiter in einem mittelständischen
Maschinenbauunternehmen. Formuliere ein Anschreiben zu
einem Angebot über eine Sondermaschine für 45.000 Euro.
Der Kunde hat vor zwei Jahren schon gekauft; damals gab
es Lieferverzögerungen.
Format: maximal 150 Wörter, drei Absätze, sachlicher Ton
ohne Superlative.
Grenzen: Erwähne die damalige Verzögerung nicht aktiv,
biete keinen Rabatt an.
Orientiere dich an diesem früheren Anschreiben: [Beispiel]
Das ist länger — und liefert ein Ergebnis, das man verwenden kann, statt es neu zu schreiben.
Die gleiche Struktur als wiederverwendbare Vorlage
Sobald eine Aufgabe regelmäßig anfällt, lohnt es sich, den festen Rahmen von den variablen Angaben zu trennen. Platzhalter in eckigen Klammern markieren, was pro Fall wechselt:
Rolle: [Funktion, Branche]
Aufgabe: Formuliere [Textart] zu [Anlass].
Kontext: [Vorgeschichte, Zahlen, Adressat]
Format: [Länge], [Struktur], [Ton]
Grenzen: [was nicht vorkommen soll]
So bleibt bei jeder Nutzung nur das Ausfüllen der Klammern — der durchdachte Teil steht bereits.
Warum die Länge sich auszahlt
Die zusätzlichen Zeilen sparen den Korrekturdurchlauf. Bei einer Aufgabe, die täglich anfällt, amortisiert sich der einmal sauber geschriebene Prompt nach wenigen Anwendungen. Der Mehraufwand entsteht einmal, der Nutzen bei jeder Wiederholung.
Die drei häufigsten Fehler
Zu wenig Kontext
Das Modell kennt Ihre Situation nicht. Was Ihnen selbstverständlich erscheint, muss dastehen — Branche, Vorgeschichte, Adressat, Ziel. Der blinde Fleck ist gerade das eigene Fachwissen: Weil es selbstverständlich wirkt, wird es nicht mitgegeben, und die Antwort bleibt allgemein.
Mehrere Aufgaben in einem Prompt
„Analysiere das und schreib gleich eine Zusammenfassung und dann noch eine E-Mail” führt zu drei mittelmäßigen Ergebnissen. Nacheinander arbeiten liefert bessere Teilergebnisse, weil jeder Schritt auf einem geprüften Zwischenstand aufsetzt statt auf einer eigenen, ungeprüften Annahme.
Die Annahme, das Modell erinnere sich
Ohne eingerichtetes Gedächtnis beginnt jedes neue Gespräch bei null. Was im letzten Chat stand, ist weg. Wer Bezug auf frühere Ergebnisse nimmt, muss sie im aktuellen Prompt erneut mitgeben oder in einer dauerhaften Anweisung hinterlegen.
Der Tipp, der am meisten spart
Wiederkehrende Kontexte dauerhaft hinterlegen
Unternehmensangaben, Tonalität und verbotene Formulierungen nicht jedes Mal neu tippen, sondern als dauerhafte Anweisung — System-Prompt oder gespeicherte Instruktion — hinterlegen. Danach reicht für jede Aufgabe der kurze, aufgabenspezifische Teil. Der feste Rahmen wirkt dann bei jeder Anfrage, ohne dass jemand daran denken muss.
Wann sich eine eigene Vorlage lohnt
Sobald eine Aufgabe mehr als ein paarmal pro Woche anfällt, lohnt eine feste Vorlage mit Platzhaltern. Das ist der Übergang von gelegentlicher Nutzung zu verlässlichem Prompt Engineering. Wer im Team arbeitet, sollte solche Vorlagen zentral pflegen — dann liefern alle Bearbeiter vergleichbare Ergebnisse, was auch die KI-Kompetenzpflicht nach Artikel 4 der KI-Verordnung praktisch unterstützt.
Deutsch oder Englisch, höflich oder knapp
Deutsch funktioniert bei allen gängigen Modellen sehr gut; der frühere Vorteil englischer Prompts ist weitgehend verschwunden. Und Höflichkeitsfloskeln ändern das Ergebnis nicht — Präzision schon. Die Energie gehört in Kontext und Grenzen, nicht in das „bitte”.
Wie sich solche Vorlagen in Ihre Abläufe einbauen lassen, klären wir gern im Erstgespräch.
Quellen: OpenAI-Dokumentation · Anthropic
