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KI-Roadmap in fünf Schritten

Aus zwanzig Ideen werden nach der Bewertung drei bis fünf Projekte. Die vier Kriterien, die Reihenfolge und warum die spektakulärsten Ideen meist durchfallen.

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KI-Roadmap in fünf Schritten

Eine KI-Roadmap ist eine priorisierte Liste von drei bis fünf KI-Vorhaben für die nächsten zwölf Monate — entstanden aus den typischerweise 15 bis 30 Ideen einer Bestandsaufnahme. Der Wert liegt nicht in der Ideenliste, sondern in der Priorisierung: Die meisten Ideen lohnen sich nicht, und die spektakulärsten fallen fast immer zuerst durch. Fünf Schritte machen aus der Ideensammlung eine belastbare Reihenfolge.

Schritt 1 und 2: Sammeln und Rechnen

Die ersten beiden Schritte trennen bewusst das Sammeln vom Bewerten. Wer beides mischt, verliert die guten Ideen aus den unerwarteten Ecken.

Sammeln ohne Bewerten

Alle Ideen aufnehmen, aus allen Abteilungen. In dieser Phase nicht diskutieren, ob etwas geht — das bremst nur und filtert zu früh. Ziel sind Menge und Breite, nicht Qualität.

Rechnen statt Raten

Für jede Idee vier Zahlen schätzen. Aus den ersten drei ergibt sich die jährliche Ersparnis:

GrößeBeispiel Angebotserstellung
Häufigkeit pro Monat60 Vorgänge
Bearbeitungsdauer25 Minuten
Personalkosten pro Stunde45 Euro
Umsetzungsaufwand (einmalig)8.000 Euro

Rechnung: 60 × 25 Min × 12 Monate = 300 Stunden pro Jahr × 45 Euro ≈ 13.500 Euro Ersparnis. Liegt die Ersparnis unter dem doppelten Umsetzungsaufwand (hier 16.000 Euro), fällt die Idee raus. Dieses Beispiel fällt knapp durch: Die Ersparnis übersteigt zwar den Umsetzungsaufwand, bleibt aber unter der doppelten Hürde.

Warum die Schätzung reicht

Niemand kennt die Zahlen exakt, und das ist kein Problem. Der Filter ist grob genug, dass eine Schätzung mit ±30 % dieselbe Entscheidung liefert. Es geht nicht um die zweite Nachkommastelle, sondern darum, offensichtlich unwirtschaftliche Ideen früh auszusortieren.

Felix Wilhelm skizziert am Flipchart die ersten Schritte eines KI-Projekts

Schritt 3: Nach zwei Achsen einordnen

Die verbleibenden Ideen kommen in ein einfaches Raster aus Aufwand und Wirkung. Das macht die Reihenfolge sichtbar, ohne lange Diskussion.

Das Raster

Geringer AufwandHoher Aufwand
Hohe WirkungSofort umsetzenPlanen
Geringe WirkungNebenbeiStreichen

Das obere linke Feld ist der Startpunkt — nicht das spektakulärste Projekt, sondern das mit dem besten Verhältnis. Ein schneller Erfolg finanziert und legitimiert den nächsten Schritt. Grundlagen dazu im Ratgeber erste Schritte mit KI.

Das Feld unten rechts

„Hoher Aufwand, geringe Wirkung” wird gestrichen, nicht aufgeschoben. Diese Ideen kommen sonst über Umwege zurück und binden Diskussionszeit, die anderswo fehlt. Ein klares Streichen entlastet die Liste.

Felix Wilhelm erläutert an einem Whiteboard die Schritte eines KI-Projekts

Schritt 4: Risiko dazunehmen

Wirkung und Aufwand allein genügen nicht. Ein drittes Kriterium entscheidet über die Reihenfolge: das Risiko.

Die drei Risikofragen

Je Vorhaben drei Fragen beantworten:

  • Was passiert, wenn es fehlerhaft läuft?
  • Betrifft es personenbezogene Daten?
  • Fällt es unter Hochrisiko nach Anhang III des EU AI Act?

Hochrisiko rutscht nach hinten

Vorhaben mit hohem Risiko rutschen nach hinten — nicht weil sie schlecht sind, sondern weil man Erfahrung haben sollte, bevor man sie angeht. Für Hochrisiko-Systeme nach Anhang III gelten seit dem 2. August 2026 umfangreiche Pflichten; Anhang-I-Systeme folgen am 2. August 2027. Solche Vorhaben brauchen Vorlauf und gehören selten an den Anfang. Datenschutzfragen klärt vorab der Ratgeber DSGVO-konforme KI.

Risiko schlägt Wirkung bei der Reihenfolge

Ein risikoarmes Vorhaben mit mittlerer Wirkung gehört vor ein riskantes mit hoher Wirkung. Der Grund ist Lernkurve: Die ersten Projekte sollen Erfahrung und interne Akzeptanz aufbauen, nicht das größte Haftungsrisiko an den Anfang stellen.

Schritt 5: Reihenfolge festlegen

Jetzt entsteht die eigentliche Roadmap — kurz, konkret und mit Messgrößen.

Drei bis fünf Vorhaben

Drei bis fünf Vorhaben für die nächsten zwölf Monate, mit grober zeitlicher Zuordnung. Mehr ist keine Roadmap, sondern eine Wunschliste. Zu jedem Vorhaben gehören:

  1. Verantwortliche Person
  2. Erwartete Wirkung in Zahlen
  3. Kennzahl, an der der Erfolg gemessen wird
  4. Grobes Zeitfenster (Quartal)

Budget grob einordnen

Eine Potenzialanalyse liegt im niedrigen vierstelligen Bereich, ein erster Anwendungsfall bei 5.000 bis 20.000 Euro. Schulungen sind über das Qualifizierungschancengesetz bis zu 100 % förderfähig. Details unter was KI kostet.

Die typischen Fehler

Vier Muster tauchen in fast jedem Unternehmen auf.

Vorzeigeprojekt und Parallelität

Mit dem Vorzeigeprojekt zu beginnen ist verlockend — es ist aber meist das komplexeste und liefert am spätesten Ergebnisse, die man braucht, um den nächsten Schritt zu begründen. Und: Mehr als drei Vorhaben gleichzeitig sind das Maximum für ein Unternehmen ohne eigenes Projektteam.

Fehlende Messgrößen und starre Pläne

Ohne Vorher-Werte ist der Erfolg später nicht belegbar. Und die Roadmap ist kein Vertrag: Nach zwei umgesetzten Vorhaben wissen Sie mehr als heute, die Reihenfolge darf sich ändern. Nehmen Sie die Roadmap deshalb nach jedem abgeschlossenen Vorhaben, mindestens halbjährlich, erneut in die Hand. Ein Erstgespräch hilft, die erste Fassung auf Plausibilität zu prüfen.

Quellen: Verordnung (EU) 2024/1689 (EUR-Lex) · Bundesagentur für Arbeit: Förderung von Weiterbildung

Häufige Fragen

Wie oft überarbeiten?

Nach jedem abgeschlossenen Vorhaben, mindestens halbjährlich.

Brauchen wir eine KI-Strategie?

Ein Strategiepapier hilft wenig, solange kein Prozess läuft. Zwei bis drei Vorhaben umsetzen, dann die Leitplanken schreiben.

Wie viele KI-Projekte sollte man gleichzeitig angehen?

Drei bis fünf Vorhaben für die nächsten zwölf Monate, davon höchstens drei parallel — mehr verkraftet ein Unternehmen ohne eigenes Projektteam nicht. Eine längere Liste ist keine Roadmap, sondern eine Wunschliste.

Mit welchem KI-Projekt sollte man anfangen?

Mit dem Vorhaben aus dem Feld geringer Aufwand und hohe Wirkung — nicht mit dem spektakulärsten. Ein schneller Erfolg finanziert und legitimiert den nächsten Schritt; das Vorzeigeprojekt ist meist das komplexeste und liefert am spätesten Ergebnisse.

Wann lohnt sich eine KI-Idee wirtschaftlich?

Als Faustregel muss die geschätzte Jahresersparnis größer sein als der doppelte Umsetzungsaufwand. Grobe Schätzungen mit ±30 Prozent reichen dafür — der Filter soll offensichtlich unwirtschaftliche Ideen früh aussortieren, nicht die zweite Nachkommastelle treffen.

Welche Rolle spielt das Risiko bei der Reihenfolge?

Risiko schlägt Wirkung: Ein risikoarmes Vorhaben mit mittlerer Wirkung gehört vor ein riskantes mit hoher Wirkung. Vorhaben mit personenbezogenen Daten oder Hochrisiko-Einstufung nach Anhang III des EU AI Act brauchen Vorlauf und gehören selten an den Anfang.