Glossar

DeepSeek: chinesische KI-Modelle im Compliance-Check

DeepSeek ist ein chinesisches KI-Unternehmen mit offenen Sprachmodellen unter MIT-Lizenz. App-Nutzung vs. Selbstbetrieb: die DSGVO-Einordnung.

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DeepSeek ist ein chinesisches KI-Unternehmen aus Hangzhou, das seit 2023 eigene Sprachmodelle entwickelt und deren Gewichte offen unter MIT-Lizenz veröffentlicht. Weltweit bekannt wurde es im Januar 2025 mit dem Reasoning-Modell DeepSeek-R1, das mit einem Bruchteil der üblichen Trainingskosten an die Leistung der führenden US-Modelle heranreichte. Für deutsche Unternehmen ist DeepSeek ein Lehrstück in Differenzierung: Dieselben Modelle können je nach Nutzungsweg klar rechtswidrig oder völlig unkritisch sein.

Modelle und Lizenz

DeepSeek veröffentlicht seine Modelle als Open-Weight-LLMs: DeepSeek-V3 (Dezember 2024) und R1 (Januar 2025) sind Mixture-of-Experts-Modelle mit 671 Milliarden Parametern, von denen pro Anfrage nur ein Teil aktiv ist. V3.1 folgte im August 2025; laut Berichten erschien im April 2026 die V4-Generation mit nativem 1-Million-Token-Kontext. Code und Gewichte stehen unter MIT-Lizenz — kommerziell nutzbar, veränderbar, sogar zum Training eigener Modelle per Destillation freigegeben. Das ist liberaler als bei den meisten westlichen Anbietern offener Modelle wie Mistral.

App und Cloud: das Datenschutzproblem

Die Gegenseite der Medaille ist der Cloud-Dienst. Wer die DeepSeek-App oder die günstige API nutzt, überträgt Eingaben, Chatverläufe, hochgeladene Dateien sowie Geräte- und Netzwerkdaten auf Server in China. Die Berliner Datenschutzbeauftragte hat die App deshalb im Juni 2025 bei Apple und Google als rechtswidrigen Inhalt gemeldet: Für China existiert kein Angemessenheitsbeschluss der EU, und DeepSeek konnte ein gleichwertiges Schutzniveau nicht nachweisen. Für Unternehmensdaten — erst recht personenbezogene — ist die App damit keine Option.

Selbstbetrieb: dieselben Modelle, andere Rechtslage

Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Dienst und Modell:

NutzungswegDatenflussEinordnung
DeepSeek-App / Cloud-APIServer in Chinavon Aufsichtsbehörden beanstandet
Gewichte selbst gehostetbleiben im eigenen Haus / beim EU-Hosterwie jedes selbst betriebene LLM
EU-/US-Hoster mit DeepSeek-Modellje nach AnbieterAV-Vertrag und Verarbeitungsort prüfen

Die offenen Gewichte lassen sich lokal (etwa via Ollama in destillierten, kleineren Varianten) oder auf eigener Server-Hardware betreiben — dann fließt kein Byte an DeepSeek. Auch europäische und amerikanische Cloud-Anbieter hosten die Modelle; dort gelten die üblichen Prüfkriterien aus DSGVO-konforme KI: Verarbeitungsort, Auftragsverarbeitungsvertrag, Trainingsausschluss.

Einordnung für den Mittelstand

Für Unternehmen mit 20 bis 500 Mitarbeitern ist DeepSeek vor allem als günstiges, leistungsstarkes Basismodell im Selbstbetrieb interessant — etwa für interne Assistenten, Dokumentenanalyse oder Klassifikationsaufgaben, bei denen Daten das Haus nicht verlassen sollen. Wer keine eigene Infrastruktur betreiben will, findet unter westlichen Anbietern meist die einfachere Lösung. Inhaltlich ist zudem zu beachten, dass die Modelle bei politisch sensiblen Themen erkennbar der chinesischen Regulierung folgen — für typische Geschäftsanwendungen selten relevant, für publikumsnahe Anwendungen ein Prüfpunkt. Beim produktiven Einsatz greifen außerdem die Transparenzpflichten des EU AI Act.

Grenzen

Die großen Modelle erfordern erhebliche Hardware; realistisch sind für den Mittelstand destillierte Varianten oder gehostete Angebote. Und wie jedes Sprachmodell halluzinieren auch DeepSeek-Modelle. Ob sich der Selbstbetrieb rechnet oder ein europäischer Anbieter der schnellere Weg ist, klärt ein Erstgespräch.

Häufige Fragen

Was ist DeepSeek?

Ein chinesisches KI-Unternehmen aus Hangzhou, das leistungsfähige Sprachmodelle mit offenen Gewichten veröffentlicht — bekannt geworden Anfang 2025 durch das Reasoning-Modell R1, das mit deutlich geringeren Trainingskosten an die US-Spitze heranreichte.

Ist DeepSeek kostenlos?

Die Modellgewichte sind unter MIT-Lizenz frei verfügbar und dürfen kommerziell genutzt werden. App und Cloud-API von DeepSeek sind teils kostenlos bzw. sehr günstig — bezahlt wird dort faktisch mit den eigenen Daten, die auf Servern in China verarbeitet werden.

Ist die DeepSeek-App DSGVO-konform?

Nach Einschätzung der Berliner Datenschutzbeauftragten nicht: Sie hat die App im Juni 2025 bei Apple und Google als rechtswidrigen Inhalt gemeldet, weil Nutzerdaten nach China übermittelt werden, ohne dass dort ein der EU gleichwertiges Schutzniveau nachgewiesen ist.

Kann man DeepSeek trotzdem legal nutzen?

Ja — über die offenen Gewichte im Selbstbetrieb. Wer das Modell auf eigener Hardware oder bei einem europäischen Hoster betreibt, sendet keine Daten an DeepSeek. Dann gelten die üblichen Regeln für selbst betriebene Open-Source-Modelle.

Wie gut sind die DeepSeek-Modelle?

Die V3-/R1-Reihe (je 671 Mrd. Parameter, Mixture-of-Experts) zählt seit 2025 zur Weltspitze der offenen Modelle. Laut Berichten folgte im April 2026 die V4-Generation mit bis zu 1 Mio. Token Kontext.