Ratgeber

Copilot vs. ChatGPT: der richtige Assistent fürs Team

Microsoft 365 Copilot oder ChatGPT? Der Praxisvergleich an konkreten Büroaufgaben — mit Preisen (Stand August 2026) und klarer Empfehlung je Nutzertyp.

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Microsoft 365 Copilot ist ein Zusatz zu Microsoft 365, der direkt in Word, Excel, Outlook und Teams auf die eigenen Firmendaten zugreift; ChatGPT ist ein eigenständiger Assistent für Textarbeit, Recherche und Analyse. Genau dieser Kategorienunterschied macht die Entscheidung einfacher, als viele denken — sie hängt weniger am Modell als daran, wo Ihre Daten liegen und was Ihr Team den ganzen Tag tut.

Zwei Werkzeuge, zwei Logiken

Microsoft 365 Copilot steckt in den Anwendungen, die im Mittelstand ohnehin laufen: Word, Excel, Outlook, Teams, SharePoint. Sein eigentlicher Trumpf ist nicht das Sprachmodell, sondern der Zugriff auf Ihre Arbeitsumgebung — Copilot kennt Ihre Mails, Termine, Dokumente und Meetings, weil er über den Microsoft Graph darauf zugreift.

ChatGPT ist der Allrounder ohne festen Wohnsitz. Es arbeitet mit dem, was Sie ihm geben: Texte, hochgeladene Dateien, Rechercheaufträge, Datenanalysen. Dafür ist es flexibler, schneller bei neuen Funktionen und nicht an eine Microsoft-Umgebung gebunden. Was der Einsatz im Betrieb organisatorisch bedeutet, steht im Überblick zu ChatGPT im Unternehmen.

Kurios dabei: Unter der Haube arbeiten beide weitgehend mit denselben Modellen. Microsoft bezieht sie von OpenAI — Stand August 2026 ist GPT-5.6 das bevorzugte Modell in beiden Produkten, Copilot bindet daneben Claude-Modelle ein. Die Frage ist also nicht, welches Modell klüger ist, sondern welcher Rahmen zu Ihrer Arbeit passt.

Der Praxisvergleich an konkreten Aufgaben

Vier Aufgaben aus einem normalen Bürotag zeigen den Unterschied deutlicher als jeder Benchmark.

Mails, Termine, Meetings

Hier spielt Copilot seinen Heimvorteil aus. “Fass die Mail-Kette mit dem Lieferanten zusammen und entwirf eine Antwort” funktioniert direkt in Outlook, ohne Kopieren. Teams-Meetings werden automatisch zusammengefasst, inklusive offener Aufgaben — auch für Kollegen, die gefehlt haben. ChatGPT kann das inhaltlich genauso gut, aber nur, wenn jemand die Inhalte hineinkopiert. Im Alltag entscheidet diese Reibung.

Dokumente und Excel

In Excel erklärt Copilot Formeln, erstellt Pivot-Auswertungen und Diagramme aus vorhandenen Tabellen. In Word schreibt er Entwürfe auf Basis vorhandener Firmendokumente. ChatGPT ist bei der eigentlichen Datenanalyse oft gründlicher — es kann hochgeladene Dateien mit Python auswerten und ist bei komplexen Analysen die stärkere Wahl. Für schnelle Handgriffe in der vertrauten Oberfläche liegt Copilot vorn, für tiefe Analysen ChatGPT.

Freie Textarbeit und Recherche

Angebotstexte, Stellenausschreibungen, Übersetzungen, Marktrecherche: Hier ist ChatGPT das rundere Produkt. Die Recherchefunktionen (Deep Research, Agent-Modus) sind ausgereifter, die Bedienung ist auf lange Dialoge ausgelegt, und mit eigenen GPTs lassen sich wiederkehrende Aufgaben standardisieren. Copilot kann all das grundsätzlich auch, wirkt außerhalb der Office-Anwendungen aber wie ein Gast im eigenen Haus.

Automatisierung und Agenten

Beide Anbieter bauen ihre Assistenten zu Agenten aus, die mehrschrittige Aufgaben selbstständig erledigen. Microsoft koppelt das eng an die eigene Welt — Agenten in Copilot Studio, Workflows über Power Automate. OpenAI setzt auf den Agent-Modus in ChatGPT und Schnittstellen zu Fremdsystemen. Wer Prozesse jenseits der Office-Welt automatisieren will, fährt mit offenen Werkzeugen meist besser.

AufgabeM365 CopilotChatGPT
Mails und Termine im Kontextsehr starkumständlich
Meeting-Zusammenfassungensehr stark (Teams)nur mit Transkript
Excel-Handgriffestarknicht integriert
Tiefe Datenanalysesolidesehr stark
Freie Textarbeit und Recherchesolidesehr stark
Arbeiten auf eigenen Firmendateneingebautnur per Upload

Preise: der Vergleich, der oft schiefgeht

Die Listenpreise wirken ähnlich — der Haken liegt in der Basis. Copilot ist ein Add-on: Ohne qualifizierende Microsoft-365-Lizenz gibt es ihn nicht. Wer die Basislizenz ohnehin bezahlt, rechnet nur den Aufpreis; wer sie erst anschaffen müsste, rechnet beides.

Tarif (Stand August 2026)Preis je Nutzer/MonatAnmerkung
M365 Copilot (Enterprise-Add-on)ca. 26 €zzgl. M365-Basislizenz, Jahresabrechnung
M365 Copilot Businessca. 15,60 € (Aktionspreis)danach ca. 18,20 €, zzgl. Basislizenz
ChatGPT Plusca. 23 €Einzelplatz, keine Auftragsverarbeitung
ChatGPT Business20 $ (jährlich) / 25 $ (monatlich)ab 2 Plätzen, mit Auftragsverarbeitung

Real landen Microsoft-Kunden inklusive Basislizenz je nach Paket bei rund 28 bis über 60 Euro je Nutzer und Monat. Preise ändern sich bei beiden Anbietern laufend — die Aktionskonditionen der Business-Variante sind befristet. Wie sich die Lizenzmodelle aller großen Anbieter einordnen, zeigt der Lizenzvergleich.

Datenschutz: bei beiden lösbar, bei beiden mit Bedingung

Copilot läuft im Rahmen des bestehenden Microsoft-365-Vertrags — Auftragsverarbeitung und EU-Datenhaltung sind über den Tenant geregelt, was für viele IT-Verantwortliche das schlagende Argument ist. Aber Vorsicht: Copilot macht sichtbar, was im Tenant falsch berechtigt ist. Wer SharePoint-Freigaben nie aufgeräumt hat, dem fasst Copilot auch Dokumente zusammen, die der Nutzer nie hätte sehen sollen. Die Berechtigungsprüfung vor dem Rollout ist Pflicht.

Bei ChatGPT gilt: Firmendaten erst ab dem Business-Tarif, denn erst dort gibt es Auftragsverarbeitungsvertrag und Trainingsausschluss. Die Details dazu stehen im Ratgeber ChatGPT und DSGVO.

Empfehlung: wer was nehmen sollte

Keine Ausflüchte — die Entscheidung lässt sich an drei Fragen festmachen.

Ihr Unternehmen läuft nicht auf Microsoft 365? Dann ist die Entscheidung gefallen: ChatGPT. Copilot ohne M365-Unterbau ergibt keinen Sinn.

Ihr Team lebt in Outlook, Teams und Excel? Dann Copilot. Der Zugriff auf Mails, Termine und Meetings spart im Verwaltungsalltag mehr Zeit als jedes bessere Einzelmodell — vorausgesetzt, die Berechtigungen im Tenant sind sauber.

Ihre Vielnutzer schreiben, recherchieren und analysieren? Marketing, Vertrieb, Geschäftsführung, Entwicklung — also alle, die täglich stundenlang mit dem Assistenten arbeiten — sind mit ChatGPT Business besser bedient. Größere Mittelständler kombinieren sinnvoll: Copilot in der Breite für den Office-Alltag, ChatGPT-Plätze gezielt für die fünf bis zehn Leute, die am meisten herausholen.

Wer statt nach der Integration nach dem besten Modell für anspruchsvolle Aufgaben sucht, findet den Modellvergleich im Ratgeber Claude vs. ChatGPT.

Quellen: Microsoft-Copilot-Dokumentation (Microsoft Learn) · OpenAI-Dokumentation

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Copilot und ChatGPT?

Microsoft 365 Copilot ist ein Zusatz zu Microsoft 365, der direkt in Word, Excel, Outlook und Teams arbeitet und dabei auf Ihre Firmendaten zugreift. ChatGPT ist ein eigenständiger Assistent für Textarbeit, Recherche und Analyse — flexibler, aber ohne eingebauten Zugriff auf Ihre Office-Umgebung.

Nutzen Copilot und ChatGPT dasselbe Sprachmodell?

Weitgehend ja. Microsoft bezieht die Modelle von OpenAI; Stand August 2026 ist GPT-5.6 das bevorzugte Modell in beiden Produkten, Copilot bindet zusätzlich Claude-Modelle ein. Der Unterschied liegt deshalb weniger in der Modellqualität als in der Integration und im Datenzugriff.

Was kostet Microsoft 365 Copilot?

Stand August 2026 kostet das Copilot-Add-on für Unternehmen rund 26 Euro je Nutzer und Monat bei Jahresabrechnung; für kleinere Betriebe gibt es eine günstigere Business-Variante mit Aktionspreisen. Dazu kommt immer eine qualifizierende Microsoft-365-Basislizenz — die realistischen Gesamtkosten liegen daher deutlich höher als der Add-on-Preis.

Ersetzt Copilot ChatGPT — oder umgekehrt?

Nein. Copilot ist stark, wo es um Ihre eigenen Mails, Termine, Dokumente und Meetings geht. ChatGPT ist stark bei freier Textarbeit, Recherche und allem außerhalb der Office-Welt. Viele Unternehmen setzen Copilot in der Breite ein und geben einzelnen Vielnutzern zusätzlich einen ChatGPT-Platz.

Sind Copilot und ChatGPT DSGVO-konform nutzbar?

Beide sind es in den Geschäftstarifen: Microsoft über den bestehenden Auftragsverarbeitungsvertrag des Microsoft-365-Tenants, OpenAI ab ChatGPT Business mit Auftragsverarbeitungsvertrag und Trainingsausschluss. Kostenlose oder private Versionen sind für Firmendaten bei beiden tabu.