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RAG-System aufbauen: Aufwand und Nutzen

RAG-System aufbauen: wie ein Wissensassistent entsteht, was Aufbau und Betrieb kosten, wie viele Dokumente nötig sind und woran Projekte scheitern.

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RAG-System aufbauen: Aufwand und Nutzen

Ein RAG-System ist ein Wissensassistent, der Fragen nicht aus dem Modellgedächtnis beantwortet, sondern aus internen Dokumenten, die zur Frage passend herausgesucht und mitgegeben werden. Es ist der meistgewünschte KI-Anwendungsfall im Mittelstand und technisch in wenigen Tagen gebaut. Ob es nützlich wird, entscheidet sich vorher — bei den Dokumenten, nicht beim Code.

Wie ein RAG-System funktioniert

RAG steht für Retrieval-Augmented Generation: Das Sprachmodell antwortet nicht aus dem Gedächtnis, sondern auf Basis von Dokumenten, die zur Frage passend herausgesucht und mitgegeben werden.

Die fünf Schritte

  1. Dokumente werden in sinnvolle Abschnitte zerlegt (Chunking).
  2. Jeder Abschnitt wird in eine Zahlendarstellung überführt (Embedding) und gespeichert.
  3. Bei einer Frage werden die inhaltlich passendsten Abschnitte gesucht.
  4. Diese werden zusammen mit der Frage an das Modell übergeben.
  5. Das Modell antwortet auf dieser Grundlage — idealerweise mit Quellenangabe.

Der Kernbegriff: Embedding

Ein Embedding ist ein Zahlenvektor, der die Bedeutung eines Textabschnitts abbildet. Zwei inhaltlich ähnliche Abschnitte liegen im Zahlenraum nah beieinander. Genau darüber findet das System zu einer Frage die passenden Stellen — auch wenn nicht dieselben Wörter vorkommen.

Ein minimaler lokaler Aufbau

Für einen ersten, datenschutzfreundlichen Test genügt ein lokales Modell über Ollama. Damit bleiben die Dokumente im Haus:

# Ollama installieren, dann Modelle laden
ollama pull nomic-embed-text   # erzeugt die Embeddings
ollama pull llama3.1:8b         # beantwortet die Frage
import ollama

# 1. Abschnitt in ein Embedding umwandeln
res = ollama.embeddings(model="nomic-embed-text",
                        prompt="Die Gewaehrleistung betraegt 24 Monate.")
vektor = res["embedding"]   # Liste aus Zahlen, wird gespeichert

# 2. Bei einer Frage: passende Abschnitte + Frage ans Modell
kontext = "Gewaehrleistung: 24 Monate ab Lieferdatum."
frage = "Wie lange gilt die Gewaehrleistung?"
antwort = ollama.chat(model="llama3.1:8b", messages=[{
    "role": "user",
    "content": f"Beantworte NUR aus dem Kontext.\n\nKontext:\n{kontext}\n\nFrage: {frage}"
}])
print(antwort["message"]["content"])
Felix Wilhelm prüft am Bildschirm einen Ablauf aus verbundenen Schritten

Der tatsächliche Aufwand

SchrittAufwand
Dokumente sichten und aussortierender größte Posten
Technischer Aufbau2 bis 5 Tage
Abschnittsbildung (Chunking) abstimmen1 bis 2 Tage
Testen mit echten Fragen2 bis 3 Tage
Berechtigungen abbildenje nach Anforderung

Warum die Dokumentenarbeit dominiert

Der erste Punkt wird regelmäßig unterschätzt und macht in der Praxis den Großteil aus. Ein Assistent ist nur so gut wie der Bestand, aus dem er antwortet. Diese Vorarbeit lässt sich nicht durch bessere Technik ersetzen.

Was der technische Teil wirklich kostet

Die Speicherung der Embeddings ist günstig. Die laufenden Kosten entstehen bei den Abfragen und hängen von der Modellwahl und der Nutzungshäufigkeit ab. Ein lokales Modell verursacht keine Abrufkosten, dafür Hardware- und Wartungsaufwand; ein Cloud-Modell rechnet pro Anfrage ab. Was KI im Betrieb kostet, ordnet der Beitrag zu KI-Kosten ein.

Woran RAG in der Praxis scheitert

Datenqualität

Widersprüchliche Dokumente: Existieren drei Versionen einer Arbeitsanweisung, kann das System nicht wissen, welche gilt. Es antwortet trotzdem — überzeugend und möglicherweise falsch. Veralteter Bestand: Ein Assistent, der aus einem Handbuch von 2019 antwortet, ist schädlicher als keiner, weil er Vertrauen erzeugt, das er nicht verdient.

Zu viel des Guten

Der Reflex, alles Auffindbare einzuspeisen, verschlechtert die Ergebnisse. Je mehr ähnliche Abschnitte im Bestand liegen, desto schwerer findet das System den richtigen. Ein kleiner, gepflegter Bestand liefert bessere Antworten als ein großer, ungepflegter.

Fehlende Berechtigungen

Zeigt der Assistent Dokumente, die der Fragende nicht sehen dürfte, entsteht ein Datenleck. Berechtigungen müssen technisch abgebildet werden — die Filterung muss vor der Antwort greifen, nicht danach.

Was gut funktioniert

Ein klar abgegrenzter Bereich

Produktdokumentation, interne Abläufe, technische Spezifikationen einer Baureihe: 50 bis 200 aktuelle Dokumente reichen für einen nützlichen Assistenten. Je enger und aktueller der Bereich, desto zuverlässiger die Antworten.

Quellenangabe bei jeder Antwort

Wichtig ist die Quellenangabe zu jeder Antwort. Sie macht Antworten überprüfbar und erhöht das Vertrauen deutlich — auch weil Nutzer sofort merken, wenn eine genannte Quelle nicht zur Aussage passt. Ein Assistent ohne Quellenangabe ist im Betrieb kaum kontrollierbar.

Der Einstieg ohne eigenes System

Trägt der Test, lässt sich der nächste Schritt planen. Wie ein Wissensassistent in den Arbeitsalltag eingebettet wird, vertieft der Beitrag zum Wissensmanagement; die Zuschneidung auf den eigenen Bestand klärt sich am besten im Erstgespräch.

Quellen: OpenAI-Dokumentation · Verordnung (EU) 2016/679 (EUR-Lex)

Häufige Fragen

Braucht man dafür eine Vektordatenbank?

Für größere Bestände ja. Für erste Tests reichen die einfachen Varianten in Automatisierungswerkzeugen.

Was kostet der Betrieb?

Die Speicherung ist günstig, die Kosten entstehen bei den Abfragen — abhängig von Modellwahl und Nutzungshäufigkeit.

Wie lange dauert der Aufbau eines RAG-Systems?

Der technische Aufbau selbst dauert 2 bis 5 Tage, dazu kommen je 1 bis 3 Tage für die Abstimmung der Abschnittsbildung und das Testen mit echten Fragen. Der größte Posten ist aber das Sichten und Aussortieren der Dokumente — er wird regelmäßig unterschätzt.

Wie viele Dokumente braucht ein RAG-System?

Weniger als gedacht: 50 bis 200 aktuelle Dokumente eines klar abgegrenzten Bereichs reichen für einen nützlichen Assistenten. Ein kleiner, gepflegter Bestand liefert bessere Antworten als ein großer, ungepflegter, weil das System den richtigen Abschnitt leichter findet.

Woran scheitern RAG-Projekte am häufigsten?

An der Datenqualität, nicht an der Technik: Widersprüchliche oder veraltete Dokumente führen zu überzeugend formulierten Fehlantworten. Dazu kommen fehlende Berechtigungen — filtert das System nicht vor der Antwort, entsteht ein Datenleck.

Kann man ein RAG-System lokal und datenschutzfreundlich betreiben?

Ja. Für einen ersten Test genügt ein lokales Modell über Ollama — die Dokumente bleiben dann vollständig im Haus. Ein lokales Modell verursacht keine Abrufkosten, dafür Hardware- und Wartungsaufwand.