Retell AI ist eine US-amerikanische Plattform für KI-Telefonagenten: Unternehmen bauen, testen und betreiben damit Sprachagenten, die eingehende und ausgehende Anrufe selbstständig führen. Das Unternehmen wurde 2023 gegründet, durchlief 2024 den Startup-Förderer Y Combinator und zählt inzwischen zu den bekanntesten Anbietern von Voice-Agent-Infrastruktur — dem technischen Unterbau für KI-Telefonassistenten.
Funktionsumfang
Retell AI liefert die komplette Kette eines Telefonagenten aus einer Hand: Spracherkennung, Anbindung an ein Sprachmodell nach Wahl (GPT-, Claude- oder Gemini-Varianten), Sprachausgabe und Telefonie. Die Latenz liegt bei rund 600 Millisekunden, was Gespräche flüssig wirken lässt; unterstützt werden über 50 Sprachen, darunter Deutsch. Agenten lassen sich über einen visuellen Flow-Editor oder per API konfigurieren, an Kalender-, CRM- und Telefonsysteme anbinden (auch per SIP-Trunk an bestehende Telefonanlagen) und vor dem Livegang mit simulierten Anrufen testen. Nach jedem Gespräch liefert die Plattform Transkript, Zusammenfassung und Auswertung — nützlich, wenn man den Kundenservice automatisieren und dabei die Qualität im Blick behalten will.
Preise
Retell AI rechnet nutzungsbasiert pro Gesprächsminute ab, ohne Pflicht-Abo. Der Minutenpreis setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen (Stand August 2026, laut offizieller Preisseite):
| Komponente | Preis pro Minute (USD) |
|---|---|
| Sprachinfrastruktur (Retell) | 0,055 $ |
| Sprachausgabe (Standard-Stimmen) | 0,015 $ (ElevenLabs-Stimmen: 0,04 $) |
| Sprachmodell (je nach Wahl) | ca. 0,003–0,16 $ |
| Telefonie | ca. 0,015 $ |
In Summe kostet ein kompletter Agent damit realistisch etwa 0,10 bis 0,30 US-Dollar pro Gesprächsminute — je nach Sprachmodell und Stimme. Dazu kommen kleine Fixkosten wie 2 $ pro Monat je Rufnummer. Der Einstieg ist kostenlos mit 10 $ Startguthaben und 20 parallelen Anrufen; für Großkunden gibt es einen Enterprise-Tarif mit individuellen Konditionen.
Datenschutz und DSGVO
Hier liegt der kritische Punkt für deutsche Unternehmen: Retell AI verarbeitet Daten in US-Rechenzentren (AWS), eine EU-Datenresidenz bietet die Plattform derzeit nicht an. Abgesichert wird der Einsatz über einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit EU-Standardvertragsklauseln; dazu kommen SOC-2-Berichte (Typ I und II), HIPAA-Optionen und die Zusage, Kundendaten nicht für das Training von Modellen zu verwenden. Telefongespräche enthalten fast immer personenbezogene Daten — Name, Anliegen, oft Gesundheits- oder Vertragsdetails. Ob Standardvertragsklauseln als Grundlage für den US-Transfer im konkreten Fall genügen, muss der Datenschutzbeauftragte bewerten. Die Grundsatzfragen dazu behandelt die Seite DSGVO-konforme KI. Unabhängig vom Anbieter gilt seit August 2026 zudem die Transparenzpflicht der KI-Verordnung: Anrufer müssen erfahren, dass sie mit einer KI sprechen.
Abgrenzung zur Konkurrenz
Der engste Vergleichskandidat ist Vapi — ebenfalls US-Plattform, ebenfalls Minutenabrechnung, aber stärker auf Entwickler zugeschnitten, die jede Komponente selbst orchestrieren wollen. Retell AI bietet dafür mehr fertige Oberfläche für Agentenbau, Tests und Auswertung. Synthflow aus Berlin positioniert sich als No-Code-Alternative mit EU-Hosting-Option, Parloa und Cognigy bedienen als deutsche Enterprise-Anbieter große Contact-Center mit entsprechenden Compliance-Zusagen. Wer nur die Sprachausgabe sucht, ist bei ElevenLabs richtig — Retell nutzt solche Stimmen als eine von mehreren Optionen. Einen strukturierten Marktüberblick gibt der Voicebot-Anbieter-Vergleich.
Einordnung für den Mittelstand
Retell AI ist technisch ausgereift und preislich transparent — als Infrastruktur aber ein Werkzeug für Teams, die entwickeln können oder einen Dienstleister mitbringen. Typische Einsatzfelder im Mittelstand: Terminvereinbarung, Erreichbarkeit außerhalb der Geschäftszeiten, Vorqualifizierung von Anfragen, Outbound-Kampagnen zur Lead-Nachfassung. Die Rechnung lohnt sich dort, wo heute Anrufe verloren gehen oder Mitarbeiter repetitive Telefonate führen. Die US-Datenverarbeitung bleibt der Haken: Für Branchen mit sensiblen Daten (Gesundheit, Finanzen, öffentliche Hand) sind europäische Anbieter meist die sicherere Wahl. Wer den Business Case durchrechnen will, findet den Einstieg über die Seite Voicebot.
Häufige Fragen
Was ist Retell AI?
Retell AI ist eine US-amerikanische Plattform, mit der Unternehmen KI-Telefonagenten bauen, testen und betreiben. Die Agenten führen eingehende und ausgehende Telefonate in natürlicher Sprache, mit Latenzen um 600 Millisekunden und Unterstützung für über 50 Sprachen, darunter Deutsch.
Was kostet Retell AI?
Retell AI rechnet pro Gesprächsminute ab. Laut Preisseite kostet die Sprachinfrastruktur 0,055 US-Dollar pro Minute, dazu kommen Sprachausgabe (ab 0,015 $), das gewählte Sprachmodell (ca. 0,003 bis 0,16 $) und Telefonie (ca. 0,015 $). Realistisch landet ein kompletter Agent meist zwischen 0,10 und 0,30 US-Dollar pro Minute. Der Einstieg ist ohne Abo möglich, mit 10 $ Startguthaben.
Ist Retell AI DSGVO-konform?
Retell AI bietet einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit EU-Standardvertragsklauseln, SOC-2-Zertifizierung und verzichtet auf Training mit Kundendaten. Die Datenverarbeitung findet aber in US-Rechenzentren statt — eine EU-Datenresidenz gibt es derzeit nicht. Für Telefonate mit personenbezogenen Daten ist das ein Punkt, den der Datenschutzbeauftragte vor dem Einsatz bewerten muss.
Retell AI oder Vapi — was ist besser?
Beide sind US-Plattformen für Voice-Agents mit Minutenabrechnung. Vapi richtet sich stärker an Entwickler, die maximale Kontrolle über jede Komponente wollen; Retell AI bietet mehr fertige Oberfläche für Agentenbau, Tests und Gesprächsanalyse. Für deutsche Unternehmen ist die DSGVO-Ausgangslage bei beiden ähnlich: US-Verarbeitung, Absicherung nur über Standardvertragsklauseln.
Für wen eignet sich Retell AI?
Für Unternehmen mit eigener Entwicklungskapazität oder einem Dienstleister, die Telefonprozesse wie Terminvereinbarung, Lead-Qualifizierung oder Support-Vorqualifikation automatisieren wollen und mit US-Datenverarbeitung leben können. Wer strenge Datenschutzvorgaben hat, prüft eher europäische Alternativen wie Parloa, Cognigy oder Synthflow.